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Kalte Betten sind viel zu warm.

Aktualisiert: 30. Sept. 2022

NZZ, 24 November 2019


In Ferienwohnungen läuft die Heizung, obwohl niemand da ist. Jetzt zeigt eine Studie auf, wie Eigentümer Energiekosten sparen können. (Ein Artikel der NZZ vom 24. November 2019)


Ein Pilotprojekt im Kanton Wallis hat gezeigt, dass sich die meisten Heizungstypen mit geringen Investitionen fernsteuern lassen: Zermatt. (Quelle: NZZ)


Auch während längerer Abwesenheiten wird die Heizung in den meisten Zweitwohnungen nur leicht oder überhaupt nicht zurückgedreht, weil die Besitzerinnen und Besitzer beim nächsten Besuch andernfalls auf eine kalte Wohnung treffen würden. Das soll sich nun ändern – mit ferngesteuerten Geräten, die per App Heizungen rechtzeitig wieder hochfahren, wenn die Ankunft der Gäste feststeht.


Nach einem Pilotversuch im Kanton Wallis lanciert die vom Bundesamt für Energie getragene «Energie Schweiz», ein vorerst auf vier Jahre ausgelegtes Programm mit dem eingängigen Namen «Make Heat Simple». Die neue «Mach einfach warm»-Plattform soll einen bedeutenden Beitrag zur Senkung des Ausstosses an CO2 durch den Gebäudesektor leisten. Die Autoren der Studie gehen von einem beträchtlichen CO2-Einsparpotenzial aus.

Kinderleichte Anwendung

Erreicht werden soll dies durch die Installation von einfachen Steuerungsgeräten in möglichst vielen temporär genutzten Wohnungen. Die Geräte lassen sich – in der Regel via Smartphone – aus der Ferne steuern. In einem Pilotprojekt im Kanton Wallis hat sich gezeigt, dass die Umrüstung bei den meisten gängigen Heizungstypen problemlos zu bewerkstelligen ist. Die Anwendung der Geräte sei mittlerweile kinderleicht.


Auch die entsprechende Investition, die je nach Produkt zwischen 500 und 2500 Franken liegt, sei aufgrund der möglichen Einsparungen innert kürzester Zeit amortisiert, besagt die Studie. Belegt werden konnte dies durch entsprechende Messdaten in Raumheizungen von Zweitwohnungen. Trotz den zahlreichen Vorteilen werden solche Fernsteuerungen heute landesweit erst in knapp 2% der Zweitwohnungen eingesetzt. «Eine Befragung zeigte, dass dies im Wesentlichen auf die Angst vor vermeintlich komplexen und teuren Installationen und allgemein der ungenügenden Bekanntheit solcher Systeme zurückzuführen ist», sagt Patrick Kutschera, Geschäftsführer Energie Schweiz. Die Plattform www.makeheatsimple.ch bietet deshalb nicht nur einen Kalkulator, mit dem sich die Amortisationszeit berechnen lässt, sondern auch eine Suchfunktion, um rasch einen lokalen Installateur zu finden.


Auf rund 700 000 Zweitwohnungen wird der Bestand in der Schweiz geschätzt, ein grosser Teil der touristisch genutzten Wohnungen stammt aus den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Sie sind oft schlecht isoliert, viele müssten dringend energetisch saniert werden. Oft wäre sogar ein Abbruch und Ersatzneubau sinnvoller. Doch das lässt sich gerade in Mehrfamilienhäusern mit Stockwerkeigentum nur selten realisieren. Selbstgenutzte Ferienwohnungen stehen während des grössten Teils des Jahres leer, werden aber oft während der Wintermonate geheizt, um Kälteschäden zu vermeiden. Selbst bei vermieteten Zweitwohnungen liegt die durchschnittliche Belegung im Jahresdurchschnitt selten über 60 Tage. Im Gegensatz zu den dauerhaft bewohnten Gebäuden ist bei ihnen der Anreiz zur energetischen Sanierung deshalb geringer.


Ein Grossteil der Gebäude aus der BoomPhase sind noch mit Ölheizungen ausgerüstet, Sie machen in allen Ferienregionen den Hauptanteil aus. Erneuerbare Energien wie Wärmepumpen und Solaranlagen kommen nur bei den neuesten Gebäuden zum Einsatz, deren Bau seit der Annahme der Zweitwohnungsinitiative stark zurückgegangen ist.

Vorgabe wird selten umgesetzt

Bereits heute schreiben die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich die Fernregulierung von Heizungen in Neubauten von Zweitwohnungen vor. Die im Rahmen der BfE-Studie durchgeführten Interviews mit Elektro- und Heizungsmonteuren hätten jedoch gezeigt, «dass diese gesetzliche Pflicht bei vielen Planern, Ingenieuren, Bauherren, Immobilienverwaltern, aber auch Installateuren nicht bekannt ist und daher oft nicht umgesetzt wird».


Nun also sollen die Verwaltungen und Wohnungseigentümer mit der Aussicht auf geringere Unterhaltskosten dazu bewogen werden, solche Fernsteuerungen nachträglich einzubauen. Da sich in Ferienliegenschaften in der Regel weniger interne Feuchtigkeitsquellen wie Zimmerpflanzen befinden, wird das Risiko für Kondensations- und Schimmelprobleme auch bei einer Temperaturabsenkung auf 6 °C für Einfamilienhäuser bzw. 12 °C für Mehrfamilienhäuser, als gering betrachtet. Technisch lassen sich mit Ausnahme von Holzheizungen alle Heizanlagen fernsteuern.


Tatsächlich senken viele Eigentümer während längerer Abwesenheiten bereits heute manuell die Temperaturen ab. Würden dies mehr von ihnen und mit einer Fernsteuerung tun, ergäbe dies ein erhebliches Sparpotenzial. Bei einer konsequenten Absenkung der Raumtemperatur kommen so immerhin 2100 Gigawattstunden an Energie zusammen. Für den Geldbeutel würden jedes Jahr über 200 Mio. Fr. an eingesparten Heizkosten anfallen.

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